Sicherheitsrundgang!
15.10.2015

Mittlerweile – Oh mein Gott! – ist mein Innenarchitekturstudium schon ganze sieben Jahre her! Es kommt mir vor wie gestern, als ich mein WG-Zimmer bezog, mich entschied, nur noch maximal alle sechs Wochen aufzuräumen und das komplette Taschengeld bereits am Ersten des Monats für Klamotten auf den Kopf gehauen hatte!

Wo ist nur die Zeit geblieben? Inzwischen gibt es in meinem Freundeskreis mehr Babys und Kombi-Fahrzeuge als Hauspartys und geklaute Hollandfahrräder. Mit meinem heutigen Blogbeitrag „stelle“ ich mich der Veränderung! Ich heiße unsere Neuankömlinge willkommen und schlage den laaangen Bogen zurück zum erlernten Handwerk!

In den nächsten Wochen gibt’s jede Menge Tipps zum Thema „Wohnen mit Kindern“. Von der richtigen Beleuchtung bis hin zum Einrichten des Kinderzimmers.

Heute dreht sich alles um das Thema Sicherheit! Wir werden uns jedes Zimmer in der Wohnung genau anschauen, um Gefahrenquellen für Kinder zu erkennen und zu beheben. Oft ist es dabei hilfreich, die Welt der Lüdden aus ihrer Sicht zu betrachten. Wie wäre es also, einmal auf allen vieren durch die Wohnung zu krabbeln und Ausschau zu halten nach spitzen Ecken, wackeligen Gegenständen und Stolperkanten?

Sicherheit im Kinderzimmer!

Das Kinderzimmer ist nicht nur ein Rückzugsort zum Schlafen, sondern bei schlechtem Wetter auch Spiel- und Tobeplatz. Besonders wichtig ist dabei, dass auch die Möbelausstattung stimmig ist. Kinder lernen in ihrem Zimmer nach und nach, Gefahren und Risiken richtig einzuschätzen. Damit man sein Kind aber auch ruhigen Gewissens eine Zeit lang allein im Kinderzimmer spielen lassen kann, sollten zuvor einige Punkte geklärt werden, um größere Unfälle auszuschließen:

  • Alle Möbel sollten stabil und kippsicher sein. Mach den Rütteltest!
  • Regale immer zusätzlich mit Wandhalterungen absichern.
  • Das Lieblingsspielzeug des Kindes stets in erreichbarer Höhe aufbewahren.
  • Scharfkantige Heizkörper abdecken oder ein Möbelstück davorstellen.
  • Alle Fenster sollten sich abschließen oder kindersicher verriegeln lassen.
  • Stromleitungen und Bodenbelag kontrollieren, lose Kanten können mit doppelseitigem Klebeband fixiert werden.
  • Elektronische Geräte sollten regelmäßig kontrolliert werden. Achtung: Defekte Geräte stellen eine Brandgefahr dar!
  • Kinder sollten über grundlegende Gefahren wie Feuer, Wasser und Strom schon früh aufgeklärt werden.

 

Sicherheit in der Küche!

Für Kinder ist die Küche ein spannender Ort. Aber nicht nur, weil es lecker riecht und viele geheimnisvolle Schränke und Schubladen warten, sondern weil hier auch immer etwas los ist. Mama und Papa wirbeln mit Rührschüssel und -besen herum, schütten dampfendes Nudelwasser aus und schmecken Knisterndes aus Pfanne und Kochtopf ab. Das weckt das Interesse von Kindern. Besonders wichtig: Schwer fällt häufig das Umgewöhnen eingespielter Kochabläufe in der hektischen Mittagszeit. Noch immer verbrennen sich jedes Jahr in Deutschland laut der „Broschüre Paulinchen – Initiative für brandverletzte Kinder e.V.“ rund 3.000 Kinder so schwer, dass sie lebenslang Narben davontragen werden.

  • Stets die hinteren Herdplatten benutzen.
  • Eine Spielecke in der Küche einrichten, z. B. eine Kinderschublade mit bunten Plastikbechern, Tellern und Dosen.
  • Geräte wie Wasserkocher, Tauchsieder und Fritteusen außerhalb der Reichweite von Kindern aufstellen und darauf achten, dass Kabel nicht herunterhängen.
  • Pfannenstiele immer nach hinten drehen. Kinder könnten nach ihnen greifen und die Pfanne samt heißem Inhalt herunterziehen.
  • Messer und Gabeln sofort abspülen und sicher verstauen. Auf diesem Wege gelangen keine spitzen Gegenstände in die Spülmaschine, die oft sehr leicht für Kinderhände zu öffnen ist.
  • Spritzwasser und Fett lassen den ohnehin schon glatten Fliesenbelag zur Rutschpartie werden. Kinder sollten daher nicht in der Küche herumrennen.
  • Putzmittel stets in oberen Schränken aufbewahren.
  • Bügeleisen ausschalten UND den Stecker ziehen.

 

Sicherheit im Bad!

Besonders im Badezimmer wird der Forscherdrang von Kindern geweckt. Hier ist irgendwie alles anders. Die Luft ist wärmer und feuchter. Es riecht nach Seife und Shampoo und auch die Einrichtung ist ganz anders als in den übrigen Zimmern der Wohnung. Doch die Gefahren, die von Wasser und Strom im Badezimmer ausgehen, sind nicht zu unterschätzen. Kinder sollten daher nie unbeaufsichtigt im Bad spielen.

  • Kleine Kinder beim Baden nicht unbeaufsichtigt lassen. Größere Geschwister können die Aufsichtspflichten der Eltern NICHT übernehmen.
  • Duschabtrennungen wie z.B. Glastüren sollten immer geschlossen sein. Da sie in Hektik und Eile oft schlecht erkennbar sind und zudem scharfe Ecken haben, stellen sie eine große Gefahrenquelle dar.
  • Antirutschmatten für Fußboden, Dusche und Badewanne schützen das Kind vor Stürzen.
  • Hocker mit einer breiten und rutschfesten Auftrittfläche sorgen für einen sicheren Stand am Waschbecken.
  • Ein Wassertemperatur-Regler kann Mischbatterien absichern. Heißes Wasser in der Leitung stets ablaufen lassen.
  • Elektrische Geräte wie Fön und Rasierapparat sollten nie im Badezimmer herumliegen.
  • Die Badezimmertür sollte nie abgeschlossen werden, um zu vermeiden, dass das Kind in Panik die Tür nicht mehr öffnen kann. Für Gäste kann der Schlüssel beispielsweise in einem oberen Regal abgelegt werden.

Sicherheit im Wohnzimmer!

Im Wohnzimmer treffen Kinder auf die Welt der Erwachsenen. Sie ist voller alltäglicher Kleinigkeiten, die für uns so normal sind, dass wir in ihnen keine direkte Gefahr für das Kind sehen. Ein genauer Blick kann Kinder hier also vor vielen kleinen Unfällen bewahren.

  • Bereits der Inhalt einer Kaffeetasse reicht aus, um 30% der Körperoberfläche eines Säuglings zu verbrühen.
  • Herabhängende Tischdecken und Stromkabel wecken die Aufmerksamkeit von Kindern.
  • Stecknadeln und Blei-Bänder in Gardinen können verschluckt werden.
  • Vasen, Blumen und vor allem Blumenerde können unbeaufsichtigt schnell zum Spielzeug werden.
  • Möbelkanten sollten besonders entlang der Laufwege der Kinder gesichert werden.
  • Schränke und Regale vor dem Umkippen sichern, denn sie laden Kinder zum Klettern ein.
  • Antirutschstreifen sorgen für einen festen Halt von Teppichen und Läufern.
  • Alkohol, Zigaretten und Streichhölzer dürfen nie auf dem Tisch liegen gelassen werden.
  • Defekte Elektrokabel können schnell Brände verursachen!
  • Gegenstände wie Stühle und Tischchen nie direkt am Fenster aufstellen oder entfernen. Auch sie laden Kinder zum Klettern ein.

 

Worauf muss ich bei Neuanschaffungen von Möbeln achten, um schon im Vorfeld Gefahren zu vermeiden? Grundsätzlich müssen neue Möbel zunächst auslüften: Dazu Türen und Schubladen von Schränken für einige Tage öffnen, neue Matratzen schräg an die Wand stellen und die Möbel etwas in den Raum rücken.

 

Kinderbetten:

Im Kinderbett verbringen die Kleinsten einen Großteil der ersten Zeit. Die Auswahl an Kinderbetten ist riesig. Es gibt Modelle mit höhenverstellbaren Bettböden, mit kleinen Ein- und Ausstiegen und natürlich auch Reisebetten. Doch besonders von einem Reisebett als ständiges Kinderbett ist abzuraten. Das geringe Gewicht des Kindes lässt das Bett schnell umkippen und auch die Matratzen haben wenig mit einem gemütlichen Kindernest gemein. Besonders wichtig ist es daher, beim Kauf von Kinderbetten auf verschiedene Faktoren zu achten:

  • Das Ausstellungsstück mit einem Rütteltest auf Stabilität prüfen.
    Scharfe Ecken, spitze Kanten und vorstehende Schrauben dürfen nicht vorhanden sein. Ebenso keine kleinen Ritzen, in denen sich das Kind die Finger quetschen kann.
  • Verfügt das Bett über Rollen, müssen mindestens zwei davon mit Feststellern gesichert werden können.
  • Mindestens 60 cm Abstand zwischen dem Bettboden (in unterster Position) und der Oberkante des Gitters. Das verhindert das Darüberklettern.
  • Mindestens 30 cm Abstand zwischen dem Bettboden (in oberster Position) und der Oberkante des Gitters, um das Herausrollen zu verhindern.
  • Abstand zwischen den Gitterstäben: möglichst 4,5-6,5 cm
    stabiler Rost, maximal 6 cm Abstand zwischen den Latten.
  • Luftdurchlässige, nicht zu weiche Matratze, maximal 4 cm Abstand zwischen Bettrahmen und Matratze.
  • Faltbare Reisebetten müssen mindestens zwei Feststellmechanismen haben.
  • Auf Sicherheitsetiketten achten, besonders das GS-Zeichen wäre empfehlenswert.

 

Etagen- bzw. Hochbetten.

Etagen- oder Hochbetten laden zum Klettern und Toben ein, was aber nicht nur Risiken birgt, sondern auch die motorischen Fähigkeiten stärkt. Trotzdem ist es ratsam, die Kinder beim ersten Herumtoben und spielerischen Ausprobieren der Betten zu beaufsichtigen, um ihre Risikobereitschaft besser einschätzen zu können und sie gegebenenfalls aufzuklären.

  • Auch hier das Ausstellungsstück mit einem Rütteltest auf Stabilität prüfen, eventuell muss eine Wandbefestigung angebracht werden.
  • Das Bettgestell sollte nicht aus Spanplatten, sondern aus massiven Materialien in ausreichender Stärke bestehen.
  • Schrauben müssen im Bettboden versenkbar sein.
  • Ecken und Kanten sollten glatt geschliffen und abgerundet sein.
  • Ist eine ausreichend hohe Brüstung vorhanden? Der Abstand zwischen der Oberkante der Matratze und der Oberkante der Brüstung sollte mindestens 16 cm betragen, empfohlen werden in der Regel 30 cm.
  • Die Leiter sollte fest am Bett montiert werden können.
  • Abstand der Leitertritte zwischen 20 und 30 cm
  • Auftrittbreite der Stufen mindestens 30 cm
  • Auftritttiefe mindestens 9 cm
  • Sicherheitsetiketten wie z. B. GS-Zeichen solltenvorhanden sein.

 

Wickeltische:

Ein Sturz vom Wickeltisch ist im ersten Lebensjahr des Kindes eine der häufigsten Unfallursachen. Da der Kopf proportional zum Rest des Körpers noch viel größer ist, kommt es dabei schnell zu Traumata. Wenn das Kind besonders „zappelig” ist, so ist das Wickeln auf dem Boden eine gute Alternative.

  • Das Ausstellungsstück mit einem Rütteltest auf Stabilität testen.
  • Optimale Wickelhöhe: 85-92 cm
  • Drei Seitenschutzränder sollten vorhanden sein. Zusätzlich kann der Wickeltisch direkt in eine Raumecke gestellt werden.
  • Auf Wickelauflagen mit zu dick gepolsterten Rändern sollte besser verzichtet werden. Achtung: Die Seitenschutzränder bieten keinen ausreichenden Schutz mehr vor Stürzen.
  • Die Wickelauflage sollte möglichst fixiert werden können.
  • Wickelfläche mindestens 55 cm tief und 70 cm breit
  • Das Wickelzubehör sollte in Reichweite aufbewahrt werden.
  • Möglichst kein Spielzeug am Wickeltischrand aufbewahren, um das Kind nicht zu motivieren, sich das Spielzeug zu „besorgen”.
  • Besser ein Windspiel zentral über dem Wickeltisch aufhängen, es zieht die Aufmerksamkeit des Kindes auf sich.
  • Auf Sicherheitsetiketten achten. Besonders das GS-Zeichen wäre empfehlenswert.

 

Hochstühle:

Sobald das Kind alleine aufrecht sitzen kann, stellt sich die Frage nach dem richtigen Hochstuhl. Es gibt sie mittlerweile aus den verschiedensten Materialien wie Kunststoff oder Massivholz. Moderne Stühle wachsen mit und bieten eine Sitzmöglichkeit bis ins Erwachsenenalter. Beim Kauf eines Hochstuhls sollte das Kind unbedingt dabei sein, um es „probesitzen” zu lassen. Dabei ist wichtig, dass die Sitztiefe und auch die Fußstütze dem Kind individuell angepasst werden können.

  • Da sich Kinder in ihrem Hochstuhl gerne aufstellen oder weit nach rechts und links heraushängen, ist auf eine besondere Standfestigkeit zu achten.
  • Der Hochstuhl sollte sich mühelos reinigen lassen.
  • Eine stabile und hohe Rückenlehne verhindert ein Überkippen des Kinds nach hinten.
  • Ein Bauch- und Schrittgurt verhindert das Aufstehen aus dem Sitz.
  • Falls der Hochstuhl über Rollen verfügt, müssen zwei feststellbar sein.
  • Am besten alle für das Kind erreichbaren Ecken und Kanten mit der Hand abfahren, um sie auf scharfe Kanten zu überprüfen.
  • Auf Sicherheitsetiketten achten. Beim Kauf eines Hochstuhls ist besonders das GS-Zeichen empfehlenswert.

 

Laufställe:

Laufställe bieten eine tolle Möglichkeit der kurzfristigen, sicheren Unterbringung des Kindes, wenn die Betreuung durch die Eltern für kurze Zeit nicht gewährleistet werden kann. Momente wie diese gibt es im Alltag ständig: das Telefon klingelt oder die Wäsche muss schnell auf die Leine. Trotzdem sollten Laufställe nur im Notfall genutzt werden, da sie auf Dauer die Neugier und den Bewegungsdrang des Kinds unterdrücken. Sie sind zudem nur sicher, solange das Kind noch nicht laufen kann –  danach entsteht schnell die Gefahr des Überkletterns der Brüstung und des Kippens des gesamten Laufstalls.

  • Es darf keine Ecken im Laufstall geben, an denen sich das Kind die Finger klemmen kann.
  • Höhe von mindestens 60 cm
  • Abstand zwischen den Gitterstäben maximal 4,5-6,5 cm
  • Verfügt der Laufstall über einen zusätzlichen, an der Brüstung fixierten Boden, ist er in der Regel kippsicherer.
  • Die Laufstalleinlage sollte kratz- und bissfest sowie einfach zu reinigen sein.
  • Auch dabei auf Sicherheitsetiketten achten. Besonders das GS-Zeichen ist hier empfehlenswert.

 

Letzter Sicherheitscheck!

Besonders Kinder im Alter von ein bis drei Jahren sind aufgrund ihrer Entwicklung gefährdet. Kinder in dieser Altersspanne erkunden ihre Umwelt durch Tasten, Schmecken und In-den-Mund-Nehmen. Erst mit drei bis vier Jahren sind sie in der Lage, Lebensmittel von anderen Stoffen zu unterscheiden.

  • Reinigungsmittel: Häufigste Vergiftungsursache. Auf möglichst viele harte Putzmittel verzichten. Chlorreiniger niemals mit Essig oder WC-Reinigern vermischen – dabei kann Chlorgas entstehen. Microfasertücher machen Reinigungsmittel bzw. Haushaltschemikalien überflüssig.
  • Medikamente: Zweithäufigste Vergiftungsursache. Immer außer Reichweite von Kindern aufbewahren. Medikamente müssen an einem trockenen, temperaturstabilen Ort aufbewahrt werden (nicht in der Küche oder im Bad). Tipp: in einem festen Karton im oberen Teil des elterlichen Kleiderschranks.
  • Pflanzen: Dritthäufigste Vergiftungsursache. Zu den besonders giftigen Zimmerpflanzen zählen:
  1. Engelstrompete
  2. Blauer Eisenhut
  3. Dieffenbachie
  4. Ritterstern
  5. Amaryllis
  6. Japanisches Pfaffenhütchen
  7. Kolbenfaden
  8. Hakenlilie
  • Rauchen: Tabakrauch enthält rund 4.000 verschiedene chemische Substanzen, 40 davon sind krebserregend.Beleuchtung: Energiesparlampen enthalten ca. 3,5- 5 mg Quecksilber.Fieberthermometer: analoge Fieberthermometer enthalten ca. 1 mg Quecksilber.

    Kinderspielzeug: Plastikspielzeug für Kinder sollte stets aus Polyethylen oder Polypropylen hergestellt sein (PE oder PP). Spielzeug aus PVC enthält bedenkliche Weichmacher, die gesundheitsschädlich sein können. Bei importiertem Billigspielzeug werden gültige Vorschriften oft nicht eingehalten.

    Gartenfackeln: Das dafür benötigte Lampenöl bzw. Petroleum ist tödlich. Bereits kleinste Mengen davon lassen die Lunge in sich zusammenfallen, jede Hilfe kommt dann meist zu spät.