Die vier Bereiche des Kinderzimmers!
23.10.2015

Warum bauen Kinder Höhlen? Ganz einfach: Sie schaffen sich ihre eigene kleine Welt, die für sie greif- und vor allem „begreifbar“ ist. Die Höhle bietet ihnen Sicherheit, Geborgenheit und eine Abgrenzung von der Welt der Erwachsenen. Eine kindgerechte Gestaltung des Kinderzimmers greift diese Bedürfnisse auf. In dieser Umgebung fühlt sich das Kind wohl, gelöst und behütet. Es kann sich leichter entspannen, beruhigen und besser konzentrieren.

Die Basis der Einrichtung ist eine sichere, saubere und übersichtliche Strukturierung des Kinderzimmers, am besten in Form einer Unterteilung in vier Bereiche: einen emotionalen, einen geistigen, einen sozialen und einen körperlichen. Dadurch wird das Kinderzimmer nicht mehr als Zimmer an sich, sondern als eine eigene kleine Welt mit vier unterschiedlichen Bereichen wahrgenommen. So können Eltern ganz gezielt auf die unterschiedlichen und teilweise gegensätzlichen Bedürfnisse ihres Kindes eingehen und das Zimmer entsprechend gestalten.

Die Kuschelecke – der emotionale Bereich.

Einschlafen, aufwachen, dösen und träumen.
Das Kind kann sich fallen lassen und geborgen fühlen. Die Kuschelecke ist eine „sensible“ Ecke. Jeden Abend verwandelt sie sich in einen fantasievollen Ort für „Gute-Nacht-Rituale” wie z.B. Märchen vorlesen oder Abenteuergeschichten erzählen und in einen Ort, an dem sich Kind und Eltern austauschen und einander anvertrauen. Hier kann das Kind zur Ruhe kommen und den Tag Revue passieren lassen. Dafür eignen sich zum Beispiel Tipi-Zelte oder Mini-Spielhäuser gut. Wenn die Kuschelecke gleichzeitig das Bett ist: In diesem Teil des Zimmers entstehen in der Nacht die meisten Sorgen und Ängste, aber auch Wünsche und Träume. Das Bett bildet eine Art Rückzugsort, welches auch am Tag zum Musikhören oder Bücherlesen genutzt wird.

In der Kuschelecke verbringen Kinder einen Großteil ihrer Zeit! Säuglinge schlafen ca. 16-20 Stunden, aber auch Schulkinder brauchen 10-12 Stunden gesunden Schlaf, um die Eindrücke des vergangenen Tages verarbeiten zu können. Eine besonders heimelige, beschützende Atmosphäre kann durch das Anbringen eines Betthimmels geschaffen werden. Dieser grenzt den Raum um das Kind herum ein und macht ihn so greif- und begreifbar. Es entsteht eine kleine Höhle, in der das Kind Schutz und Ruhe finden kann.

Die Lernecke – der geistige Bereich.

Sich konzentrieren, üben, ausprobieren.
In seinem eigenen Tempo kann das Kind alles lernen. Kinder lernen am besten, wenn sie es freiwillig tun. Damit bestätigt eine Bildungsstudie der OECD, was wir aus unserer eigenen Schulzeit noch bestens vor Augen haben, denn das Selbstvertrauen, das uns in unseren Lieblingsfächern angespornt hat, bildet die Grundlage für erfolgreiches Lernen. Das Vertrauen, etwas erreichen zu können, motiviert Kinder, sich besonders anzustrengen. Hier sind also die Eltern gefragt: positives Bestärken ist auf diesem Weg besonders wichtig.

Lernen ist anders als noch vor Jahren keine Ruheübung mehr, bei der die Kinder an ihrem Platz sitzen mussten und nur aufstehen durften, um sich die Trinkflasche zu holen. Neuste Untersuchungen haben gezeigt, dass besonders Bewegung die Konzentrationsfähigkeit erhöht. Durch die angeregte Durchblutung wird das Gehirn besser mit Sauerstoff versorgt und so leistungsstärker. Es gibt in Grundschulen gerade erste Versuche, Kinder an Stehtischen arbeiten zu lassen. Manche Tische sind sogar so ausgelegt, dass die Kinder gleichzeitig ihre überschüssige Energie loswerden können, indem sie mit jeweils einem Bein auf einem Schwingrad unter dem Tisch vor und zurückwippen können Gleichgewichtstraining inklusive. Falls ihr so einen Tisch nicht zuhause habt: Einfach mal Vokabeln beim Hula-Hoop abfragen – wer schafft mehr Vokabeln, solange der Reifen um die Hüfte kreist?

Die Spielecke – der soziale Bereich.

Toben, bauen, sich streiten und dann wieder versöhnen.
Den größten Teil des Kinderzimmers nimmt der Bereich des sozialen Austauschs ein. Dort gibt es jede Menge Platz, um neue Freundschaften zu schließen und zu vertiefen. Hier ereignen sich die Momente, an die man sich noch Jahre später gerne erinnert. Und da ist jede Menge Platz, um zu lernen, einen Streit selbstständig zu schlichten oder Kompromisse einzugehen. Die Spielecke ist aber auch der Ort, an dem das Kind alleine spielt, neue Beschäftigungen entdeckt und zum Hobby macht.

Die Umkleideecke – der körperliche Bereich.

Anziehen, umziehen, sich im Spiegel betrachten.
Das Kind wächst – die Kleidung wird zu klein. Beim Anziehen vor dem offenen Kleiderschrank fällt es das erste Mal auf: Die Ärmel des Pullovers sind zu kurz und die Hose geht nicht mehr zu. Auch im Spiegel kann das Kind erkennen, dass es sich verändert. Es braucht einen immer größeren Abstand, um sich komplett darin betrachten zu können. Eine Messlatte an der Wand zeigt den Wachstumsfortschritt und Heranwachsen ist das Natürlichste auf der Welt. Es ist aber trotzdem ein kleines Wunder, wenn die Kinder es „schwarz auf weiß“ sehen. Stolz wird das Ereignis umgehend den Geschwistern, Großeltern, Tanten und Onkeln mitgeteilt.

Kinder entwickeln nach und nach ihren eigenen Geschmack. Selbstverständlich bedeutet das auch, dass sie ab einem gewissen Punkt selbst entscheiden wollen, was sie anziehen. Aber die Fähigkeit, kalt und warm richtig einzuschätzen, ist im Kleinkindalter noch nicht gegeben. Zudem würden sie womöglich ihr schönstes und teuerstes Kleid auch für den Spielplatz auswählen, da es einfach schick ist und sie zu Hause gar nicht damit rechnen, dass es dort schmutzig werden könnte. Eltern haben daher meist das letzte Wort, sollten die Kinder aber auch mitreden lassen, da die Wahlfreiheit gut für die Entwicklung eines eigenen Geschmacks ist. Das bedeutet aber auch, mal etwas zu warm angezogen zu sein. Eine Erfahrung, die Kinder bei ihrer nächsten Kleiderwahl berücksichtigen werden – und die sicherlich eher, als die mahnenden Worte der Eltern.

 

Die verschiedenen „Aufgabenbereiche“ des Kinderzimmers und damit verbundenen Bedürfnisse der Kleinsten zu kennen erleichtert das Einrichten ungemein!