Die neue Angst im Kinderzimmer

„WIE SOLL DAS JETZT WEITERGEHEN?“

Mein Neffe Jan Luka ist 13 und der Terror ist in seiner Lebenswelt angekommen. Fuck. Heute also ein ganz persönlicher Blogpost.

Jan Luka im BVB Trikot
Mein Neffe Jan Luka.

Die Bombendrohung vor knapp einer Woche in Paris gegen das Länderspiel unserer Nationalelf hatte ich nicht wirklich ernst genommen. Dann kam der Terror mit voller Wucht in Paris an und mein Weltbild bekam einen ordentlichen Knacks. Doch gleichzeitig wuchs der Entschluss, sich nicht unterkriegen zu lassen!

Der Entschluss wuchs bis Dienstagabend. Dann: Hannover, pure Ratlosigkeit, riesige Sorgen. Nun ist eigentlich NICHTS, aber irgendwie doch ALLES anders! Wie fühlt sich das erst für Kinder an?

Ich habe mit meinem Neffen Jan Luka über den Terror gesprochen. Jan ist 13 Jahre, geht in die achte Klasse, spielt Fußball und ist – zu meinem Leidwesen – Bayern- und nicht Dortmund-Fan; mit seinen Freunden trifft er sich zum „Playstationzocken“. In dem Telefonat hab ich festgestellt, dass die Angst ein ganz neues Ausmaß angenommen hat.

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Der Terror in Paris und die Bedrohung in Hannover haben Jan in seinem Kosmos voll erwischt: „Sein“ Länderspiel wurde abgesagt, Terroristen kommunizieren angeblich über die Playstation. Es sind keine Ereignisse mehr von denen er beiläufig in den Nachrichten erfährt. Es sind Anschläge, zu denen er nun einen greifbaren Bezug hat.

Die Folgen der Anschläge haben Familien und Kinderzimmer erreicht, die Verunsicherung und Sorgen der Kleinsten schüren nun die größte Angst.

„Wie soll das jetzt weitergehen?“ war eine seiner Fragen – doch auf die erwartete er keine Antwort. Jan hat sich mit dieser Frage selbst so sehr auseinandergesetzt, dass er weiß, dass keiner sie beantworten kann.

„Ich würde gerne mehr über das Alles erfahren – schließlich ist das aktuell und überall hört man davon. Auch in den Pausen reden wir sehr viel über Syrien“. Überrascht war ich, als Jan meinte, dass die Themen Flüchtlinge, Anschläge und Terror in der Schule lediglich angeschnitten werden.

Merken die Lehrer nicht, dass die Kinder mehr und mehr verunsichert sind? Dass die Attentate die Gespräche auf den Schulhöfen beherrschen? Dass die Kinder Redebedarf haben und sich austauschen möchten?

  • Bin ich vielleicht auch zu kritisch?
  • Ist es überhaupt nicht die Aufgabe der Lehrer?
  • Ist das Thema zu kompliziert, um es kindgerecht aufzubereiten?
  • Ist die Bedrohung vielleicht auch noch gar nicht so groß, als dass man die Kinder damit verunsichern möchte?

Vielleicht haben wir aber auch Angst auf die Fragen der Kinder keine Antworten zu wissen und drücken uns davor. Doch brauchen Kinder wirklich immer Antworten oder reicht manchmal nicht auch schon ein Ohr, das ihre Sorgen ernst nimmt?

Wie geht ihr damit um?

Lese-Tipps: Wie erkläre ich meinem Kind den Terror bei welt.de, bei FOCUS Online, bei stern.de, bei ZEIT Online.

Für größere Kinder erklärt die Kindernachrichtensendung LOGO die aktuelle Geschehnisse leicht verständlich und unaufgeregt in Videos.

Der Radiosender Kiraka erklärt die Nachrichten leicht verständlich in Texten.