Ein Leben mit Hund UND Kind, kann das gut gehen?

Wie kann man nur so unverantwortlich sein, dieses Vieh hat doch alle möglichen Krankheiten. Außerdem tritt der das Kind doch platt.“ Das war einer der Kommentare den mir eine wildfremde Frau an den Kopf geworfen hat als sie mich mit meinem Baby und unserem Neufundländer auf dem Weg in den Supermarkt sah. Wie nett, ein „Guten Morgen“ hätte es auch getan!

Passt bloß mit eurem Hund auf wenn das Baby da ist, nicht das der in den Kinderwagen springt und das Baby frisst.“ Die Angst vor dem aufgefressen werden hatte auch meine Oma als wir unseren Sohn mit nach Hause brachten. Wir sahen das Ganze weitaus gelassener, wurden aber auch schnell auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt, als unser Hund Carlos den kleinen Max zum ersten mal sah und böse anfing zu knurren. Bis dahin wussten wir nicht einmal das Carlos mit seinen zwei Jahren überhaupt knurren kann.

Neufundländer sind doch Familienhunde warum reagiert er so? Haben wir etwas falsch gemacht? Wie geht es jetzt weiter? Die Ratlosigkeit stand uns ins Gesicht geschrieben. Carlos wollte von dem neuen Familienmitglied nichts wissen und schaute die ersten zwei Wochen nur skeptisch auf die Wiege aus der ein lautes Schreien zu hören war.

Kinder und Hunde, kann das überhaupt gutgehen? Ja, kann es aber es hängt auch von vielen Faktoren ab die hier aufeinander treffen.

Verantwortlich für ein harmonisches Zusammenleben sind immer wir, die Eltern!
Zwischen Kind und Hund kann eine wunderbare Verbindung oder sogar Freundschaft entstehen aber dazu sollten auch einige Regeln beachtet werden.

  1. Lass dein Kind oder Baby niemals mit dem Hund alleine! Diesen Satz liest man immer wieder und auch wenn man seinem Hund 100 % vertraut so sollte diese Regel dennoch beherzigt werden. Das ist manchmal schwer, weil man denkt: Ach mein Hund würde unserem Kind doch nie was tun!
    Aber wenn wir Eltern, die gleichzeitig die Bezugsperson sind den Raum verlassen so weiß der Hund nicht wer jetzt die Kontrolle übernimmt und das kann zu kritischen Situationen führen.
  2. Hunde sind kein Spielzeug und das sollte dem Kind auch von Anfang an klargemacht werden. Nicht immer so einfach wenn der Hund schwanzwedelnd um das Kind herumfegt und ihm dann auch noch das Spielzeug wegnimmt.
  3. Auch Rückzugsorte wie das Hundekörbchen sind Tabu und beim fressen und schlafen sollte der Hund alleine gelassen werden.

Als Nele damals geboren wurde hatten wir Angst das unser Hund Zoey eifersüchtig reagiert,“ erinnert sich Nadine, Mutter von Nele. Sie probierten es mit dem Windeltrick und brachten die erste Babywindel mit nach Hause um sie dem Hund unter die Nase zu halten. Auf diese Weise „lernt“ der Hund das neue Familienmitglied durch seinen Geruch kennen und nimmt es beim ersten echten Zusammentreffen nicht als Fremden wahr. Und, hat es geklappt?

Der Hund wurde neugierig und hat das neue Familienmitglied bei Ankunft interessiert beschnüffelt und anschließend abgeschleckt. Tochter Nele ist mittlerweile fünf Jahre alt und zwischen ihr und Zoey hat sich eine dicke Freundschaft entwickelt. „Für uns war es am wichtigsten das Nele lernt Respekt vor Zoey zu haben.“ Das heißt wenn der Hund schläft dann wird er in Ruhe gelassen, der Fressnapf wird nicht angerührt, genauso wenig wie das Hundekörbchen.

Sollen wir unseren Hund nicht lieber verkaufen? Nicht das er das Baby auffrisst, weil er eifersüchtig ist!“ Diesen Satz habe ich von einem Elternpaar in meinem Bekanntenkreis gehört die ein Kind erwarteten. Die Mutter lachte laut auf, der Vater hatte Angst vor dem neuen Leben mit Hund und Kind. Heute ist das Einzige was der Labrador auffrisst der Mülleimer und zwar so, dass der komplette Müll in der Wohnung verstreut liegt. Dafür sind Hund und Kind Freunde.

Jedoch ist die Angst trotzdem berechtigt. Ist der Hund als erstes da so spielt er auch die erste Geige, bis da auf einmal ein Kind kommt, das 24 Stunden am Tag volle Aufmerksamkeit fordert.

Daher mein Tipp:

Spielt mit eurem Hund, wenn das Baby wach ist und nicht nur wenn es schläft. So merkt der Hund dass auch er wahrgenommen wird und zur Familie gehört.

Genau diese Regel nahmen wir uns zu Herzen und beschäftigten uns mit Carlos während Max dabei war oder auf seiner Decke lag. Das war ab und an eine ganze schöne Herausforderung wenn man ein 4 kg leichtes Baby auf dem Arm hat und ein 53 kg schwerer Hund der meint so elegant und geschmeidig zu sein wie eine Katze mit dir spielen will.
Kurze Zeit später wurde Carlos immer offener gegenüber Max und heute, sieben Monate später liegt er neben dem Kinderwagen und bewacht ihn wenn Max schläft, läuft zu ihm und schlabbert ihm durchs Gesicht wenn er weint und lässt sich sogar von ihm das Fell langziehen. Ach ja, aufgefressen wurde er bisher noch nicht und plattgetreten übrigens auch nicht!

Sinnvolle Tipps und Tricks für den Richtigen Umgang zwischen Kind und Hund findet ihr hier!